Bildungsgrundsätze


JuMP up! will Jugendliche fit für die digitale Medienwelt machen, Medienkompetenzen vermitteln und Partizipation ermöglichen. Aber was bedeutet das konkret? Was verstehen wir unter diesen Begriffen?

 

Medienkompetenz

Insbesondere für Jugendliche sind Medien selbstverständlicher Bestandteil ihrer Lebenswelt. Sie eignen sich diese von Kindesbeinen intuitiv und ohne Scheu an und unterscheiden oft nicht zwischen online und offline. Junge Menschen sind mit ihren mobilen Kommunikationsgeräten wie Smartphone oder Tablet quasi immer online.

Genauso wie wir Kinder nicht dabei allein lassen, sich im Straßenverkehr zurechtzufinden, müssen wir Heranwachsende bei der Erkundung des Medienangebots begleiten. Medienkompetenz stellt eine Schlüsselqualifikation dar, die dazu befähigt, in unserer Mediengesellschaft zurechtzukommen.

Politische Beteiligung als Teil des gesellschaftlichen Handelns ist ebenso medial geprägt wie z.B. die Kommunikation mit Freunden oder das Lernen in der Schule. JuMP up! möchte nicht nur aufzeigen, wie Partizipation mittels digitaler Technologien möglich ist, sondern allen Jugendlichen die gleichen Chancen für die Beteiligung über das Internet geben, indem wir sie fit machen in Sachen Medienkompetenz.

Mit Medienkompetenz ist nicht eine klar zu beschreibende Fähigkeit gemeint, sondern ein ganzes Bündel von Fähigkeiten und Fertigkeiten, das von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Denn kommunikatives Verhalten ist individuell. Unsere Vorstellung von Medienkompetenz orientiert sich an den von Dieter Baacke (1999¹) beschriebenen Dimensionen: Medienkunde, Medienkritik, Mediennutzung und Mediengestaltung. Diese Dimensionen hängen unmittelbar miteinander zusammen.

  • Mit Medienkunde sind zwei Dinge gemeint: 1. Die Fähigkeit, Medien, z. B. den Computer, bedienen zu können. Und 2. Theoretisches Wissen über Medien und Mediensysteme zu haben, zum Beispiel: Wie arbeitet die Suchmaschine Google?
  • Medienkritik knüpft an dieses Wissen an. Dazu gehört die Fähigkeit, gesellschaftliche Prozesse zu analysieren und zu hinterfragen. Medienkritisch ist, wer das Wissen über Medien auch auf sich und sein Handeln beziehen kann.
  • Mediennutzung bezeichnet sowohl die Rezeption von Medien als auch das Anbieten eigener Medieninhalte. Wer Medien kompetent nutzt, kennt die eigenen Bedürfnisse, weiß über Medien Bescheid und kann die für sich passenden Medienangebote auswählen.
  • Die Mediengestaltung ist eine aktive und kreative Handlung, die ebenfalls Medienwissen voraussetzt. Wer Medien gestaltet, schlüpft in die Rolle des Produzenten. Medien zu gestalten bietet die Möglichkeit, sich selbst und seine Meinung hinsichtlich verschiedener Sachverhalte auszudrücken.

Durch die ständige Weiterentwicklung medialer Angebote und der eigenen Persönlichkeit, beschreibt Medienkompetenz einen Prozess, der nie abgeschlossen ist. Außerdem findet dieser nicht unabhängig von anderen Bildungsprozessen statt, denn Medien spielen in nahezu allen Lebensbereichen eine Rolle.

JuMP up! ist überzeugt, dass Medienkompetenz nur gefördert werden kann, wenn all diese Dimensionen berücksichtigt werden: Sich eine fundierte Meinung zu bilden, ohne die Informationen, die im Netz zu finden sind, zu hinterfragen, ist nicht möglich. Wer nicht weiß, wie die digitalen Medien z. B. von Parteien genutzt werden, um ihre politischen Grundsätze zu vermitteln, der kann diese auch nicht nutzen, um seinen eigenen Standpunkt auszudrücken.

¹ Baacke, Dieter (1999): Medienkompetenz als zentrales Operationsfeld von Projekten. In: Baacke, Dieter u.a. (Hrsg.): Handbuch Medien. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn: 1999, S. 31-35.

 

Partizipation

Partizipation gehört zu den grundlegenden Merkmalen der Demokratie. Denn eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft ist auf die breite Mitwirkung und Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Nur die politische und zivilgesellschaftliche Teilhabe verschafft der Demokratie ihre nötige Legitimation.

In diesem Sinne heißt Partizipation, dass wir als Bürgerinnen und Bürger, allein oder mit anderen, Einfluss auf politische oder zivilgesellschaftliche Entscheidungen nehmen. Diese Einflussnahme kann ganz unterschiedlich erfolgen: z.B. durch Wahlen, die Mitgliedschaft in einer Partei, das Engagement in einer Bürgerinitiative oder die Teilnahme an einer Demonstration. Alle Möglichkeiten der Partizipation setzen voraus, dass wir uns als Bürgerinnen und Bürger unserer Interessen und Wünsche bewusst sind und diese auch artikulieren können. Neben der Fähigkeit, uns in politischen und gesellschaftlichen Systemen zurecht zu finden, müssen bereit sein, eigene Interessen, Wünsche und Angelegenheiten mit anderen nicht nur zu verhandeln, sondern auch aktiv umzusetzen.

Mit der Entwicklung des Web 2.0 sind neue Formen zu den „klassischen“ Möglichkeiten der Partizipation hinzugetreten. Das gilt vor allem für den Lebens- und Sozialraum von jungen Menschen: Ihr Wille zur Mitwirkung ist eng an ihren eigenen Interessen, Bedürfnissen und Wünschen orientiert. Sie schaffen sich eigene Räume der Partizipation, die sich nicht immer mit einem klassischen Verständnis von Politik und Zivilgesellschaft decken. Dazu gehört auch das Social Web, das viele Jugendliche inzwischen als selbstverständlichen Bestandteil ihrer Lebenswelt begreifen. Mit JuMP up! geben wir ihnen die Chance, für den eigenen Standpunkt einzutreten, eigene Interessen in politische und zivilgesellschaftliche Entscheidungsprozesse einzubringen sowie kreative und innovative Mitwirkungs- und Beteiligungsformen zu entwickeln und anzuwenden.

Für JuMP up! ist die Partizipation von Jugendlichen und jungen Menschen nur dann erfolgreich:

  • wenn zusammen mit ihnen das nötige Wissen für eine politische und zivilgesellschaftliche Beteiligung erarbeitet wird. Neben Urteils- und Handlungskompetenz gehört dazu auch ein breites Wissen über die selbst genutzten Medien.
  • wenn sich ihre Lern- und Lebensbereiche auf ihre Beteiligung einstellen und dabei kreative und innovative Partizipationsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Diese sollen Spaß machen, interessant sein und zugleich ernsthafte Mitgestaltungsmöglichkeiten darstellen.
  • wenn sie als Expertinnen und Experten ihres Alltags ernst- und wahrgenommen werden. Das stärkt nicht nur die Motivation zur politischen und zivilgesellschaftlichen Beteiligung, sondern auch die Qualität, Akzeptanz und Nachhaltigkeit des gesamten Partizipationsprozesses.

Wir motivieren und befähigen Jugendliche und junge Menschen, die eigenen Interessen und Angelegenheiten zu erkennen, sie in Schule und Öffentlichkeit aktiv zu vertreten sowie selbstbewusst zu verhandeln und umzusetzen.